Chronik des 11er-Rat Kempen 1947 e.V.
Die Jahre 1945 bis 1950
Der Neubeginn nach dem Krieg
Im Jahr 1945 war der Zweite Weltkrieg beendet. Die Menschen sehnten sich nach Frohsinn, Gemeinschaft und etwas Normalität im Alltag. Gerade in den schweren Nachkriegsjahren entstand der Wunsch, wieder gemeinsam zu feiern, zu lachen und das gesellschaftliche Leben neu aufzubauen.
Einigen Mitgliedern der damaligen Kolpingfamilie Kempen kam daher eine Idee, die schon längere Zeit in ihren Reihen lebte: die Durchführung einer närrischen Sitzung. Aus diesem Gedanken entwickelte sich schon bald eine feste Gemeinschaft engagierter Karnevalsfreunde.
Im Jahr 1947 fand schließlich im Lokal Sieben am Kempener Markt der erste heitere Abend nach dem Krieg statt.
Dieser Abend gilt als erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur späteren Gründung des heutigen 11er-Rat Kempen 1947.
Das Gründungsjahr 1947
Das Jahr 1947 kann als offizielles Gründungsjahr des heutigen 11er-Rat Kempen angesehen werden. Bereits in dieser Session wurden zwei Sitzungen veranstaltet – eine am Karnevalssonntag und eine weitere am Rosenmontag.
Unter der Leitung von Heinrich Poethen als Regisseur übernahm Jakob Averbrock als erster Präsident das Zepter. Gemeinsam begann die Planung und Organisation der Sitzungen, die schon bald großen Zuspruch fanden.
Unterstützt wurden sie von zahlreichen engagierten Kempener Handwerkern und Freunden des Karnevals. Zu den Männern der ersten Stunde gehörten:
- Michael Hegger
- Heinrich Jansen
- Peter Jansen
- Peter Kiewitz
- Willi Kleinebrecht
- Wilhelm Krabler
- Ludwig Krabler
- Josef Kresken
- Otto Pesch
- Otto Wiedefeld
Sie alle trugen mit großem persönlichem Einsatz dazu bei, den Karneval in Kempen nach den schweren Kriegsjahren wieder aufleben zu lassen.
Schwierige Bedingungen in der Nachkriegszeit
Die Probsteikirche St. Marien war durch die Kriegsereignisse stark zerstört und noch nicht wieder aufgebaut. Deshalb diente der Saal des alten Kolpinghauses am Hessenring als Notkirche.
Dies führte zu besonderen Herausforderungen für die Karnevalisten: Nach den Sitzungen am Samstag musste der gesamte Saal vollständig geräumt und für den Sonntagsgottesdienst vorbereitet werden. Direkt nach dem Gottesdienst begann anschließend erneut der Aufbau für die nächste Sitzung am Sonntagabend.
Diese aufwendigen Arbeiten verlangten großen Einsatz und viel Improvisationstalent. Unterstützung erhielten die Mitglieder dabei von Hermann Peun, dem späteren langjährigen Geschäftsführer des 11er-Rates. Er stellte eine Art Hebebühne der Elektrochemischen Fabrik zur Verfügung, wodurch die Aufbauarbeiten erheblich erleichtert wurden.
Der Geist der ersten Jahre
Die Jahre unmittelbar nach dem Krieg waren geprägt von Zusammenhalt, Idealismus und großem ehrenamtlichem Engagement. Mit einfachen Mitteln, aber viel Herzblut entstand eine Gemeinschaft, die den Kempener Karneval nachhaltig prägen sollte.
Der 11er-Rat Kempen entwickelte sich aus diesen bescheidenen Anfängen zu einer festen Größe im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt Kempen – getragen von Menschen, die den Mut hatten, in schwierigen Zeiten wieder Freude und Gemeinschaft zu schenken.
Die Jahre 1951 – 1960
Wer als Sitzungspräsident sein Handwerk versteht – so dachte man – der kann auch Prinz werden. So wurde im Jahr 1952 Jakob Averbrock zu seiner Tollität Jakob I. gekürt.
Bereits 1953 zeigte sich der Erfolg der Arbeit des Elferrates: Gleich vier Sitzungen wurden in diesem Jahr veranstaltet – ein deutliches Zeichen für den wachsenden Zuspruch des Kempener Karnevals.
Aus den Annalen des Jahres 1955 geht hervor, dass „die Kolping-Söhne mit einem sauberen Programm die Angehörigen und die Bürger der Stadt Kempen verwöhnt haben“. Zum ersten Mal nach dem Krieg war in diesem Jahr auch der gesamte Klerus bei der Sitzung vertreten. Unter der Leitung von Probst Lux, der in einer kurzen Ansprache „von der Berechtigung zur reinen, geselligen Freude“ sprach, war damit das Thema unberechtigter Kritik an den Sitzungen endgültig erledigt.
Im Jahr 1956 wurde Willy Undorf auf den Prinzenstuhl gehoben. Als Prinz Willi I. regierte er die Session, und der Elferrat stellte erstmals einen eigenen Prunkwagen – ein sichtbares Zeichen des wachsenden Selbstbewusstseins und Organisationstalents der Gesellschaft.
Nach dem Tod von Jakob Averbrock im Jahr 1959 übernahm Rudi Körvers im Jahr 1960 das Amt des Präsidenten. Unter seiner engagierten Führung sowie mit den Regisseuren Peter Holtermann, Hans Ginders, Fritz Esser und Willi Jansen nahm die Zahl der Sitzungen rasch zu. Damit begann eine Phase neuen Aufschwungs, in der der Kempener Karneval weiter an Bekanntheit und Beliebtheit gewann.
Die Jahre 1961 – 1970
Aus einem Bericht aus dem Jahr 1961 ging hervor, dass der KKV unter der Leitung von Heinz Ingensiep zu einer Versammlung aller Karnevalsvereine einlud, „um den Karnevalsgedanken zu fördern und auf eine breitere Basis zu stellen“. Für den 11er-Rat nahm damals Rudi Körvers an dieser Zusammenkunft teil.
Neben drei Sitzungen im Jahr 1965 wurde unter der Schirmherrschaft des 11er-Rates und der Kolpingfamilie auch eine Veranstaltung für den Kreisblindenverein gestaltet. Der damalige 11er-Rat setzte sich aus Mitgliedern des Kegelclubs „Stina“ zusammen – einer Gruppe, die von Beginn an aktiv war und zahlreiche Programmpunkte mitgestaltete. Besonders hervorzuheben sind hierbei Franz Reinders und Franz Janssen.
Die Jahre 1971 – 1980
Das Jahr 1971 stand ganz im Zeichen des Prinzenpaares Herbert und Annelise Straeten. Noch heute sorgt die Anekdote für Erheiterung, dass der Rosenmontagszug damals ohne den Elferrat starten musste. Auf Einladung von Zahnarzt Dr. Passmann hatte man es sich bei geselligen Getränken so gemütlich gemacht, dass der Zugbeginn kurzerhand verpasst wurde.
In den folgenden Jahren fanden jährlich bis zu sieben Sitzungen statt. Der Kartenvorverkauf verlief mitunter eher improvisiert und oftmals „über die Theke“. So kam es vor, dass Interessenten beim Kauf von Brennstoffen in der Vorverkaufsstelle von Hans Averbrock gleich nach Eintrittskarten fragten.
Auch die Bewohner des von-Broichhausen-Stiftes wurden vom 11er-Rat nicht vergessen. Viele Jahre lang veranstaltete man dort am Sonntag vor Karneval eine kleine Sitzung. Darüber hinaus kümmerten sich Mitglieder des 11er-Rates gemeinsam mit der Kolpingfamilie um die Pflege und Instandhaltung der Kreuzkapelle von St. Peter.
Die Veranstaltungen im alten Kolpinghaus erfreuten sich großer Beliebtheit und waren regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt. Mitunter musste sogar die Musik darauf achten, noch einen Sitzplatz zu ergattern. Manche Sitzungen am Montag dauerten nach dem offiziellen Programm bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags. Das anschließende Frühstück wurde traditionell bei den Kempener Bäckereien Hermans, Gerfertz, Wiedefeld, Baumeister oder Michels eingenommen – gelegentlich auch bei den Metzgereien Fander oder Horten.
Seit 1974 zeichnet der Elferrat verdiente Karnevalisten und Persönlichkeiten mit dem Titel „Dr. humoris causa“ (Dr. h. c.) aus. Neben einer Ernennungsurkunde erhalten die Geehrten lebenslang den Sessionsorden sowie eine jährliche Leibrente in Höhe von 111 Pfennigen. Mit Einführung des Euro wurde diese großzügig auf 111 Cent angehoben.
Der erste Träger des Titels „Dr. h. c.“ war Heinrich Poeten. Eine besonders amüsante Episode ereignete sich, als der 11er-Rat in einem Jahr vergaß, die zugesagte Leibrente an Franz Reinders auszuzahlen. Dieser reagierte prompt mit einem Mahnbescheid.
Alle ausgezeichneten Ehrendoktoren sind im Anhang aufgeführt.
Gemeinsame Reisen nach Frankreich, Italien und Spanien sowie Fahrten nach Berlin, Norderney oder zur „Madonna der Eifel“ in Krautscheid rundeten das vielfältige Aktivitätenprogramm des 11er-Rates ab.
Nicht unerwähnt bleiben sollen zudem die zahlreichen Besuche bei Kempener Karnevalsveranstaltungen sowie bei Karnevalsgesellschaften in Düsseldorf, Hilden, Merzenich und Viersen. Auch die Kontakte zu den Kolpingfamilien in Oedt, Goch und Willich wurden intensiv gepflegt.
Die Jahre 1981 – 2018
Am 26.09.1981 wurde das neue Kolpinghaus an der Peterstraße anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Kolpingfamilie Kempen eingeweiht.
Von 1985 bis 2011 war Heinz-Gerd Plenker Sitzungspräsident des 11er-Rat-Kempen 1947. Am 11.11.2011 – ein närrischeres Datum ist kaum vorstellbar – trat Heinz-Gerd Plenker nach langer Amtszeit zurück und übergab die Präsidentenkette an Peter „Larry“ Wolters. Im Rahmen der feierlichen Übergabe wurde Heinz-Gerd Plenker zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Eine weitere Reform erfolgte an diesem historischen Tag: Der 11er-Rat-Kempen 1947 ermöglichte es fortan verdienten Aktiven, die sich aus der ersten Reihe zurückziehen wollten, der Gemeinschaft weiterhin als passive Mitglieder verbunden zu bleiben. In diesem Zuge ernannte der Verein Gerd Palm, Bernhard Messing, Lothar Pfeiffer und Hans-Jürgen Reinecke zu Ehrensenatoren. Weitere Ernennungen folgten jeweils zum Ende der Session. Alle Ehrensenatoren sind im Anhang aufgeführt.
Seit 2013 besteht für am Karneval Interessierte die Möglichkeit, Fördermitglied zu werden. Diese Mitgliedschaft ist mit einem festen Jahresbeitrag verbunden und beinhaltet den Erhalt des jeweiligen Sessionsordens. Zu Beginn jeder Session werden die aktiven Mitglieder, Ehrensenatoren, Doktores humoris causa, der Ehrenpräsident sowie die Fördermitglieder in geselliger Runde mit dem neuen Sessionsorden ausgezeichnet.
Geführt wird der 11er-Rat-Kempen 1947 seit vielen Jahren vom Vorsitzenden Bernd Berger. Sein Stellvertreter und Geschäftsführer ist Jürgen Pascher. Für die Regie der Sitzungen zeichnet Ferdi Stoffels verantwortlich und gehört damit ebenso dem Vorstand an wie Sitzungspräsident Peter „Larry“ Wolters. Dem Vorstand gehören darüber hinaus Schriftführer Jürgen Pasch sowie Beisitzer Armin Horst an.
Im Jahr 2018 gab sich der Verein erstmals eine eigene Satzung. In der Fassung vom 17.01.2019 wurde die Förderung des traditionellen Brauchtums einschließlich des Karnevals, der Fastnacht und des Faschings als Vereinszweck festgeschrieben. Damit erhielt der Verein die Gemeinnützigkeit.
Die Jahre 2019 – 2022
Im Jahr 2019 war es nach langer Zeit wieder so weit: Der 11er-Rat-Kempen 1947 stellte für die Sessionen 2019 bis 2021 das Prinzenpaar der Stadt Kempen. Peter „Larry“ I. und Brigitte I. Wolters führten zwei Jahre lang die Kempener Narrenschar, bevor im dritten Jahr ihrer Regentschaft die Corona-Pandemie zum Lockdown führte.
So fand im Jahr 2021 erstmals keine Karnevalssitzung statt. Erst im Jahr 2023 konnte der Sitzungskarneval wieder aufgenommen werden.
Eine weitere richtungsweisende Veränderung erfolgte im Jahr 2022. Auf der Jahreshauptversammlung legte der langjährige Vorsitzende Bernd Berger sein Amt in jüngere Hände. Neuer Vorsitzender des 11er-Rat-Kempen 1947 wurde Armin Horst.
Geschäftsführer und damit stellvertretender Vorsitzender blieb weiterhin Jürgen Pascher. Für Armin Horst rückte Erik Skudnik als Beisitzer in den Vorstand nach. Ebenfalls neu im Vorstand war Beisitzer Jürgen Schmitz. Ferdi Stoffels wurde als Literat bestätigt, ebenso Peter „Larry“ Wolters als Sitzungspräsident und Jürgen Pasch als Schriftführer.
Im November desselben Jahres wurde Bernd Berger beim inzwischen traditionellen Treffen zur Übergabe des neuen Sessionsordens an Aktive, Ehrensenatoren, Ehrenpräsident, Doktores humoris causa und Fördermitglieder für seine langjährigen Verdienste um den 11er-Rat-Kempen 1947 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Die Jahre 2023 – 2026
Nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie konnte der Sitzungskarneval im Jahr 2023 wieder in gewohnter Weise stattfinden. Der 11er-Rat-Kempen 1947 knüpfte damit an seine langjährige Tradition des Kempener Karnevals an und setzte zugleich neue Impulse für die Zukunft des Vereins.
In den Jahren 2024 und 2025 beteiligte sich der Verein mit einem eigenen Weihnachtsstand am Kempener Weihnachtsmarkt. Der hierbei erzielte Erlös wurde jeweils an soziale Einrichtungen für Kinder gespendet und unterstrich damit das soziale Engagement des Vereins über den Karneval hinaus.
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung des Vereins war der Beitritt zum Karnevalsverband Linker Niederrhein e.V. im Juli 2025. Im Oktober desselben Jahres folgte die Mitgliedschaft im Bund Deutscher Karneval e.V. Damit stärkte der 11er-Rat-Kempen 1947 seine Einbindung in die karnevalistischen Verbandsstrukturen auf regionaler und bundesweiter Ebene.
Im März 2026 wurde der Verein offiziell in das Vereinsregister eingetragen und trägt seitdem den Namen 11er-Rat-Kempen 1947 e.V.
Kempen, im Mai 2026
Mit einem dreimal kräftigen
Rot und Blau – Kempen Helau! 11er-Rat-Kempen 1947 e.V.
Erweiterung Vereinschronik – Anhang
Prinzen(paare) aus den Reihen des 11er-Rates
1952 - Jakob I. Averbrock †
1965 - Bernhard Messing (11er-Rat nach Regentschaft) †
1980 - Franz I. und Irene I. Jansen †
1986 - Rudi II. Körvers †
2019 - Peter (Larry) I. und Brigitte I. Wolters
Ehrendoktoren (Dr. h.c.)
(in chronologischer Reihenfolge)
- Heinrich Poethen †
- Karl-Heinz Hermans †
- Herbert Hasenbeck †
- Willi Jansen †
- Stefan Stoffels †
- Fritz Esser
- Bernhard Messing †
- Franz Reinders †
- August Spohr †
- Theo Herbst †
- Klaus Hülshoff †
- Manfred von Holtum
- Rudi Körfers †
- Ludwig Krabler †
- Brigitte Plenker
- Ferdi Stoffels
- Heinz Kox
- Horst Thoenes
Ehrensenatoren
(in chronologischer Reihenfolge)
- Bernhard Messing (2011) †
- Gerd Palm (2011) †
- Lothar Pfeiffer (2011)
- Hans-Jürgen Reinecke (2011) †
- Josef Janssen
- Dieter Doetsch
- Heinz-Theo Lebeis †
- Peter Schütz (2024) †
- Horst Thoenes (2024)
- Klaus Mitterer (2026)
Funktions- und Amtsträger
Sitzungspräsidenten
- Rudi Körvers, von 1960 bis 1985
- Heinz-Gerd Plenker, von 1985 bis 2011
- Peter Wolters, von 2011 bis Heute
Geschäftsführer
- Hermann Penn, von 1964 bis 1969
- Friedhelm Funken, von 1970 bis 1999
- Jürgen Reinecke, von 2000 bis 2007
- Jürgen Pascher, von 2008 bis 2025
- Michael Prange, seit 2025 bis Heute
1. Vorsitzende
- Bernd Berger, von 2000 bis 2022
- Armin Horst, von 2022 bis 2025
- Jürgen Schmitz, von 2025 bis Heute
Spielleiter / Regisseur
- Peter Holterman
- Hans Ginders, von 1966 bis 1969
- Willi Janssen, von 1969 bis 1974
- Fritz Esser, von 1974 bis 1978
- Ferdi Stoffels, von 1980 bis 2011
Literaten
- Ferdi Stoffels, von 2012 bis 2026
- Marc Metternich, von 2026 bis Heute
Schriftführer
- Jürgen Pascher, von 2005 bis 2008
- Jürgen Pasch, von 2008 bis Heute